Züchtung mit Tradition


Bad Bramstedt (hh). „In den Nachkriegszeiten wurden Kaninchen sehr wahrscheinlich auch zur Ernährung verwendet,” sagte Georg Marquardt aus Nützen. „Heute sind insbesondere die jungen Kaninchenzüchter Idealisten. Die Freude im Umgang mit den Tieren steht im Mittelpunkt.” Er ist Erster Vorsitzender vom „Kaninchenzuchtverein U12 Bad Bramstedt und Umgebung”, Sohn Stefan sein Stellvertreter. Der Einzugsbereich des Vereins reicht von Neumünster bis Norderstedt, von Itzehoe bis Bad Segeberg. Seit 14 Jahren züchten die beiden „Englische Schecke blau-weiß”.

Von links: Zwei hochkonzentrierte Rassekaninchenzüchter, Georg und Stefan Marquard. Foto:hh

Diese Rasse - sie zählt zu den ältesten - stammt aus England wird dort seit 1880 gezüchtet. Seit diesem Jahr gibt es Vereine für die Rassekaninchenrassezucht. Georg Marquardt züchtet seit 1963 Rassekaninchen, Sohn Stefan seit 1978, da war er 8 Jahre jung. Er ist einer der jüngsten Preisrichter in Deutschland. Er wurde zum Schulungsleiter der Preisrichtergruppe Schleswig-Holstein gewählt. „Als Preisrichter muss ich die Theorie und die Praxis beherrschen, wichtig ist die geschulte Hand, die Fell und Körperbau beurteilt.” Es gibt 400 Rassen und Farben. Preisrichter urteilen alleine, es sei denn, sie wollen die Höchstnote „Vorzüglich” vergeben. Dann muss ein zweiter Preisrichter zum gleichen Urteil kommen.

 Was ist bei der Haltung wichtig? „Soziale Tiere benötigen jeden Tag gewissenhafte Pflege sowie Nahrung und Wasser,” so die gemeinsame Antwort. Vater und Sohn füttern Heu guter Qualität (das ist das Grundnahrungsmittel), Hafer, Gerste, Weizen, Presslinge, Möhren und Äpfel. Stroh bildet die Unterlage und dient als Füllfutter. Besonders gerne mögen sie im Frühling junge Eichenblätter, die sie mitsamt der Äste verzehren. Der fünf Jahre alte Luca sammelt voller Freude mit seinem Opa die Eichenblätter. „Kaninchen müssen ihrem Darm ständig etwas zu tun geben, andernfalls kommt es zu schmerzhaften Störungen.”

 Häsinnen haben eine durchschnittliche Tragezeit von 30 Tagen. Sie bauen ein Nest. Erfahrene Muttertiere haben pro Wurf acht blind geborene Jungtiere bei drei Würfen im Jahr.„Die Geburtstermine richten sich auch nach dem Klima. Bei den vergangenen beiden langen und strengen Wintern wurden die Jungtiere im Frühjahr deutlich später geboren. Hier zeigt sich die Vernunft der Natur.” Die Wurfzeiten beginnen im November und reichen bis in den Mai hinein. Bei der Kaninchenrassezucht besteht die Kunst darin, den geeigneten Rammler mit der für richtig gehaltenen Häsin zu verpaaren. „Hier haben Kinder häufig ein gutes Händchen, weil sie eher intuitiv entscheiden,” sagte Stefan Marquardt. Er erinnerte daran, dass die amtierende Vereinsmeisterin Pia Lotta Steffens erst 7 Jahre alt war.

 Der „Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter e.V.” hat 200 000 Mitglieder. Auf der Homepage steht: „Rassekaninchenzucht ist heute eine Freizeitgestaltung mit dem Kaninchen als anerkanntes landwirtschaftliches Nutztier, ohne Gewinnausrichtung, mit hohem Freizeitwert und mit gesellschaftlicher Verantwortung, unter Beachtung der tierschutzrechtlichen Bestimmungen. Die heutige Rassekaninchenzucht stellt für unsere Umwelt keine Belastung, sondern eine Bereicherung dar.”