JUNGTIERAUFZUCHT

Von der Geburt bis zum Absetzen der Jungtiere:

Nach einem erfolgreichen Deckakt wird die Häsin nach 31 Tagen werfen. Es gibt aber auch Geburten nach 29 bis 34 Tagen Trächtigkeit. Die Tragzeit ist bei großen Wurfstärken kürzer und bei Einlingsgeburten am längsten.

Die Geburt kündigt sich bereits 1 bis 3 Tage vorher an. Die Häsin verändert ihr Verhalten. Sie wird unruhiger und sammelt Nestbaumaterial, welches der Züchter bis spätestens zum 28. Tag ausreichend zur Verfügung stellen sollte.

Hormonell gesteuert wird die Lockerung des Haarsitzes. Einen Tag vor und bis zu 2 Tagen nach der Geburt erleichtert dies der Häsin das Rupfen der Haare zum Nestbau. Dabei werden auch die Zitzen freigelegt, was den Jungtieren den schnellen Zugang zur Muttermilch ermöglicht.

Bei der Geburt nimmt die Häsin eine gebückte Haltung ein, das begünstigt das Werfen und die Aufnahme der Nachgeburt. Hautverletzungen bei Jungtieren deuten darauf hin, dass die Häsin den Geburtsvorgang mit den Zähnen unterstützt hat. Nicht alle Häsinnen legen die Jungtiere ins Nest, daher ist eine frühzeitige Kontrolle sinnvoll. Verstreute Jungtiere können dann möglichst schnell wieder ins Nest gelegt werden, bevor sie unterkühlen und sterben.

Wildkaninchen legen ihre Nester in sogenannten Satzröhren an. Sie suchen diese einmal täglich zum Säugen auf und scharren diese anschließend wieder mit Sand zu. Wurfkästen entsprechen somit den verhaltensbedingten Anforderungen der Kaninchen. Wurfkästen sollten aus einem wärmeisolierenden Material hergestellt sein, sonst bildet sich bei niedrigen Außentemperaturen Kondenswasser am Deckel und an den Wänden.

Aufzuchtsverluste erhöhen sich bei einer Wurfstärke, die die Anzahl der Zitzen übersteigt. In der Regel sind es 8 bis maximal 12 Zitzen. Die Häsin säugt die Jungtiere in den meisten Fällen nur einmal täglich für 3 - 5 Minuten. Wenn mehr Jungtiere geboren werden, als Zitzen vorhanden sind, besteht für die schwächsten Jungtiere kaum ein Chance, Milch zu erhalten . Nach 2 bis 3 Tagen sterben dann diese Tiere, die nicht gesäugt wurden.

Kaninchen haben keine Mutter-Kind-Beziehung, daher können Jungtiere aus großen Würfen während der ersten Tage nach der Geburt problemlos kleinen Würfen anderer Häsinnen zugesetzt werden. Somit ist es sinnvoll, immer mindestens zwei Häsinnen an einem Tag decken zu lassen, um Wurfstärken ausgleichen zu können.

Im  Verlauf der Säugeperiode erreicht die tägliche Milchleistung zwischen dem 18. und 23. Tag nach dem Werfen ihr Maximum. Ab der 4. Lebenswoche, also mit Beginn der Aufnahme festen Futters durch die Jungtiere, sinkt die Milchleistung der Häsin. Bei Häsinnen, die 1 bis 2 Tage nach dem Werfen wieder gedeckt wurden,  stellt sich die Milchproduktion um den 28. Tag nach dem Werfen nahezu ein und die Jungtiere werden nicht mehr gesäugt. Dies ist bei nichttragenden Häsinnen erst nach 7 bis 8 Wochen der Fall. Je geringer die Milchleistung der Häsin ist, desto früher wird von den Jungtieren festes Futter aufgenommen. Dabei sind die Jungtiere bereits ab einem Alter von 21 Tagen in der Lage, sich allein von festem Futter zu ernähren. Bis zu einem Alter von 12 Wochen bestehen bei beliebiger Mischfutteraufnahme keine Gewichtsunterschiede mehr im Vergleich zu den mit 6 Wochen abgesetzten Jungtieren.

Bei ständiger Verfügbarkeit eines pelletierten Mischfutters ist darauf zu achten, dass die Selbsttränken auch für die Jungtiere problemlos erreichbar sind. Es muß davon ausgegangen werden, dass etwa die doppelte Menge Wasser wie Trockenfutter aufgenommen werden muß.

Quelle:  Das Große Buch vom Kaninchen von Wolfgang Schlolaut

Thomas Wegner

Zuchtwerbewart