Perlen der Kaninchenzucht!

Die Blau- weißen  Englischen Schecken         

Schon seit frühester Kindheit interessierten mich Rassekaninchen, bevor ich, von der väterlichen Seite, der seit 1963 Kaninchen züchtet, her „ vorbelastet“ , 1978 als sechsjähriger in den KZV U12 Bad Bramstedt eintrat. Auch heute noch gehöre ich meinem Stammverein an und bekleide hier die Ämter des 2. Vorsitzenden und das des Zuchtwartes. Waren es anfangs die Castor- Rex, die mich begeisterten, so wechselte ich, auchum verschiedene Erfahrungen zu sammeln, zu seltenen Farben der Widder- bzw. Farbenzwerge über. Ohnehin war es seit jeher so, dass unvollendete Rassen und Farben bei uns im Vordergrund standen, auch hier konnten beachtliche Erfolge bis hin zum Bundesmeister und Sieger erzielt werden. Schon in den 80 ziger Jahren bevölkerten thüringerfarbig- weiße Englische Schecken unsere Ställe, bevor wir 1997 eine „alte Liebe“ wieder entdeckten und seither die Schwarzweiße Variante züchten.

Aus gleichen Ansichten und Meinungen heraus, schlossen mein Vater und ich uns zu einer Zuchtgemeinschaft zusammen, um gemeinsam gesteckten Ziele zu erreichen.

Schon schnell wurde uns bewusst, dass die Blauweißen Englischen Schecken, die ich hier in diesem Bericht näher beschreiben möchte, den anderen Farben hinten an stehen. Selbst der jüngste Farbenschlag, die Dreifarbigen, stehen oft mit mehreren Exemplaren zur Schau. Schon im Vorwege möchte ich betonen, dass dieser Bericht alleine unsere Meinung darstellt, die aus Erfahrungen gesammelt wurde und keinen Anspruch auf Vollkommenheit hat. Es würde mich allerdings freuen, wenn er zum Nachdenken anregt.

Der Weg zu den Englischen Schecken

Schon um 1850 wurden die ersten Angaben, die auf Kaninchen mit Punktscheckungen hinweisen, gemacht. Unklar ist, ob es sich hier damals tatsächlich um punktierte Tiere handelte oder um solche mit der vermutlich älteren Zeichnung der Hölländer-Plattenscheckung. Tatsache ist die, dass im Jahre 1900 die ersten Tiere mit der Zeichnung einer Englischen Schecke nach Deutschland importiert wurden. Wie der Name schon aussagt, gilt England als Ursprungsland, da diese sich schon in früheren Zeiten als Freunde der so genannten Sportrassen bezeichneten. 1902 wurde in Bamberg der erste Internationale Englische Schecken- Club gegründet. Leider stand unsere schöne Rasse in den 30 ziger Jahren, als sie von der Reichsfachgruppe zur Sportrasse erklärt wurde, dem Aussterben nahe, ehe sich einige Idealisten nach dem zweiten Weltkrieg ihr annahmen und ein stetiger Aufwärtstrend erfolgte. Das Zuchtziel war seit jeher ein kleines, elegantes Kaninchen, das sich in der Form von den anderen  durch eine etwas gestreckter  Erscheinung abheben soll, mit einer feinen, punktierten Kettenzeichnung. Gerade in den letzten Jahren wurde die Englische Schecke zu dem erzüchtet, wie sie heute in Erscheinung tritt. Ihre Beliebtheit bei Alt und Jung kann nicht angezweifelt werden, was die Beschickungszahlen der letzten Bundesschauen eindeutig beweisen. Naturgemäß stellen die Schwarz- weißen die meisten Exemplare zur Schau , Thüringer-weiße und dreifarbige stehen  in der Quantität auf einer Stufe, die Blau-weißen folgen diesen.  Im Jahre 1998 konnten wir unsere ersten blau-weißen Tiere, von einem leider viel zu früh verstorbenen Zuchtfreund Wolfgang Marotzke aus Pattensen, Niedersachsen, erwerben. In seiner unvergessenen, rustikalen Art gab er mir auf den Weg: „ Wenn Du einmal Englische Schecken gezüchtet hast, kommst Du nicht mehr von ihnen los und nun mache etwas aus den Blauweißen“. Heute weiß ich, das er Recht behalten sollte, man findet in ihr die Rasse seines züchterischen Lebens. Bis heute und auch für die Zukunft versuchen wir seinen Ansporn gerecht zu werden.

Die Stallanlage ist die Werkstätte des Züchters 

Jede Stallanlage eines Züchters sollte gut geplant sein, da die Zucht ja bekanntlich von der Unterbringung und Fütterung der Tiere lebt.

Mit dem Bau des Eigenheimes, konnten wir eine Stallanlage errichten, die aus jahrelangen Erfahrungen und Anregungen aus anderen Anlagen entstanden ist. Sie wurde in einer Holzbauweise als Außenanlage in L- Form errichtet. Die Vorderfront besteht je zur Hälfte aus einem Holzsockel bzw. die obere Hälfte aus einem Drahtgeflecht, die anderes Getier von ihr abhält. Als Dach wurde ein Spitzdachgebinde, das mit Dachziegel eingedeckt ist, gewählt. In der Zwischendecke befindet sich eine Lüftungsklappe, die wahlweise geöffnet werden kann, um verbrauchte Luft in den Spitzboden zu entlassen um diese nach außen zu entsorgen. Im Winter wird an der Vorderfront ein sich wahlweise öffnendes Glaselement montiert um auch die kalten Wintermonate, die im Norden durch den typischen Nord- Ostwind geprägt sind, für Mensch und Tier gleichermaßen angenehm zu gestalten. Wir besitzen in dieser Anlage 45 Einzelbuchten, die uns zu ständiger Selektion anhalten, da als Nebenrasse Farbenzwerge gezüchtet werden. Als Buchtenmaße wurden von uns 70 mal 70 cm und 60 mal 70 cm gewählt um den Anspruch der Englischen-Schecken gerecht zu werden. Jede einzelne Bucht besitzt eine eigene Tür um eventuelle Beißereien auszuschließen. In der herausnehmbare Kotwanne befindet sich eine Einstreu aus hellem Roggenstroh und als Unterstreu zur Urinaufsaugung gehäckseltes Rapsstroh, das wöchentlich entfernt wird. Hierbei halten wir eine regelmäßige Desinfektion, auch wöchentlich, als unerlässlich, um eventuell entstehende Keime und Krankheiten zu vermeiden. Eine reine Rostenhaltung halten wir in der Kaninchenzucht für unangebracht, da die Tiere in ihrem Wohlbefinden doch beeinträchtigt sind. Meiner Meinung nach gibt es doch nichts Schöneres, als ein gesundes Tier auf einer frischen Einstreu zu beobachten. Auch ist die Rostenhaltung keinesfalls als die sauberere anzusehen. Als einzige Arznei verwenden wir eine jährliche, im Frühjahr stattfindende Kur gegen Leber- und Darmkokzidien und die RHD- Impfung. Ich persönlich kann die Züchter nicht verstehen, die voller Stolz auf ihren Arzneischrank verweisen. Meiner Meinung nach kann ein Tier nur dann gesund bleiben, wenn es einer optimalen, akkuraten Haltung und einer abwechslungsreichen, ausgewogener Fütterung unterliegt. Unter einer ausgewogenen Fütterung verstehe ich, dem Tier ein Futter anzubieten, das es gerne annimmt. Wir reichen unseren Tieren neben dem ständig frischem Heu ein Futtergemisch aus Pellets mit Kräuterzusatz, Haferflocken, Sonnenblumenkernen, Johannisbrot, Wurzelpellets und getrockneten Petersilien- bzw. Selleriestielen. Fast täglich werden Möhren, hin und wieder getrocknetes Brot, Äpfel oder Steckrübe gereicht. Tragenden und säugenden Häsinnen werden zusätzlich getrocknete Brennesselblätter angeboten, da diese die Darmtätigkeit positiv beeinflussen. Unsere Futterzusammenstellung ist so gewählt, dass einerseits ein optimales Heranwachsen der Jungkaninchen, eine positive Fell- und Farbbeeinflussung, sowie eine hervorragende Gesunderhaltung des Tieres gegeben ist. Oftmals wurden wir für diese Fütterungsweise schon belächelt, hierfür sehen wir jedoch den Garant für Leistungsvermögen und gesunde Kaninchen in optimaler körperlicher Verfassung. Wöchentlich wird dem Trinkwasser Apfelessig zugeführt, um eine Keimbildung, gerade in den Sommermonaten auszuschließen.

Ständige Selektionen führen zum Erfolg

Erfahrungen unserseits haben ergeben, das eine leichte Inzucht, mit einem gelegentlichen Einsatz von Fremdtieren meistens zum Erfolg führt. So festigt man seine eigene Linie, gerade in der Scheckenzucht ist diese besonders wichtig um die positiven Eigenschaften in der Zeichnung abzuverlangen und kann mit dem Einsetzen eines fremden Tieres, hier verwenden wir meistens Häsinnen aus guten, bekannten und seit Jahren erfolgreichen Zuchten, Schwächen in der eigene Linie ausmerzen. Unsere Zucht ist auf eine von uns so genannte Rammlerlinie aufgebaut, das heißt wir nehmen jedes Zuchtjahr den Besten Jungrammler, abstammend von dem des vorigen Jahres, zur Zucht und führen diese auf die Mutter, Tanten, Cousinen und gelegentlich Schwestern zurück. Positiv haben sich dadurch die Zeichnungseigenschaften in unserer Linie entwickelt. Gleichzeitig wenden wir hier allerdings Ausgleichspaarungen an, um keine zwei Tiere mit den gleichen Fehlern miteinander zu verbinden. Setzt man gelegentlich nun ein fremdes Tier ein, so

sollte man nicht gleich im ersten Jahr vorzügliche Zeichnungen verlangen, da das Zeichnungsbild in der gefestigten Linie erheblich gestört werden kann. Einen positiven Einsatz der Fremdtiere kann man erst nach Rückpaarungen im zweiten Jahr beurteilen.

Gerade in der Scheckenzucht sollte man in seiner Linie einen strengen Maßstab ansetzen und keinerlei Selbstkritik fehlen lassen. Viele Züchter verfallen auf Dauer der so genannten Stallblindheit. Die Scheckenzucht lebt heute, auch um erfolgreich im Ausstellungswesen zu bleiben, von der gewissenhaften Selektion. Bereits kleinste Fehler, gerade in körperlichen Bereichen, gilt es auszumerzen. Auch Zeichnungs bedingte Fehler sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, da diese sich zumeist stark vererben und es Jahre

Später zum großen Erwachen führen kann. So sollte es nicht unser Ziel sein, Zeichnungsfehler „ wegzuputzen“ sondern eine Schecke auf züchterischem Wege schön zu züchten. Wie sagt man so schön: „ Aus einem Esel kann man kein Rennpferd herrichten“. Schon deshalb sollte man einen strengen Maßstab an seine Tiere ansetzen und ständige Selektionen vornehmen. Viele Halter nehmen uns diese Tiere gerne Kostengünstig ab und wir vergeuden somit keine brauchbaren für gute Tiere dringende Stallbuchten.

Die Form nicht außer Acht lassen

Bei einem Normalgewicht zwischen 2500 und 3250 Gramm, sollte der Körper der Englischen Schecke etwas gestreckt auftreten. Dieses  bedeutet nicht, das überlange Tiere gezüchtet und gezeigt werden sollten, sie sollen nur gegenüber gleich großen Tieren mit einer gedrungenen Form, wie beispielsweise das Kleinsilberkaninchen, etwas feingliedriger wirken. Ohnehin unterscheiden sie sich in der Kopfform und dem etwas längerem Ohr. Bei einem Gewicht nahe der 3000 Gramm wirkt die Englische Schecke sehr typisch in ihrer Erscheinung und bei einer guten mittelhohen Stellung stehen Form und Zeichnung schön zueinander.  Auch bei einer Zeichnungsrasse ist das Hauptmerk auf eine tadellose Körperform zu richten, stark eckige Tiere sollten längst der Vergangenheit angehören, ebenso wie welche die vorne in der Schulterpartie sehr schmal verlaufen.

Als Problem der Englischen Schecken, muss die Rückenlinie angesehen werden. Sie ist bei vielen Tieren sehr knochig und ist sicherlich die Begleiterscheinung einer gestreckten Form. Ein weiteres Problem stellt die Brustpartie dar. Gerade im jungen Alter ist diese, nicht nur bei Häsinnen sehr lose. Nach eigenen Erfahrungen, wird sie im Alter von ca. 6 bis 7 Monaten wieder fester. Als Zuchtziel gilt hier trotzdem eine einwandfreie Brustpartie. Ebenso sollte man auf eine vernünftige Stellung der Tiere achten, gerade mit einer Englischen-Schecke sollte man, auf Grund ihrer Lebhaftigkeit sehr viel trainieren. Denn nichts wirkt unschöner wie ein Plumpes Erscheinungsbild unserer Schecken. Dieses Training sollte aber schon im frühen Jungtieralter beginnen. Schon im Alter von vier Wochen gewöhnen wir unsere Jungtiere an den Übungstisch um ihnen die Scheu zu nehmen um sich später so zu zeigen, dass alle Merkmale in Augenschein genommen werden können. Es versteht sich von selbst, dass beide Geschlechter auf den ersten Blick unterschieden werden können. Trotz gestreckter Form sollten unsere Rammler einen schönen Kopf  zeigen und mit dem Körper in einer harmonischen Beziehung zueinander stehen.

Ein kurzes, dichtes Fell ist der Garant für eine klare Zeichnung

Oft sieht man Tiere aus Zuchten mit Fellen die sehr lange Grannen zeigen. Das diese dann unklare und verschwommene Zeichnungen aufweisen, sollte allerdings nicht verwundern. Jedes Tier kann nur dann klare Farben zeigen, wenn es ein kurzes und in der Unterwolle dichtes Fell besitzt. Lange Grannen, die in die dunkle Zeichnungsfarbe hinein ragen wirken immer „ schimmelig“ . Eine Haarlänge bei 20 mm sollte als ideal gelten. Ein wenig mehr Beachtung sollte der Behaarung der Laufsohlen geschenkt werden. Gerade die Tiere die an das Höchstgewicht reichen, haben das Problem das die Sprunggelenke recht dünn behaart sind. Diese sollte man gleich im Keim ersticken und nicht erst zum Problem werden lassen. Meines Erachten ist dieses auch nicht immer haltungsbedingt, sondern oftmals schon eine Sache der Vererbung.

1,0 Englische Schecke blau-weiß, 97 Punkte, 25. Bundeskaninchenschau Bremen 2001, Zgm. Marquardt

1,0 Englische Schecke blau-weiß, 96,5 Punkte, 25. Bundeskaninchenschau Bremen 2001, Zgm. Marquardt

Das Zeichnungsbild

 

Wie oft kann man beobachten das Besucher fasziniert vor den Käfigen der Englischen Schecken stehen bleiben und die schöne Zeichnung bestaunen . Zum einen die Kopfzeichnung, mit ihrem gut ausgeprägten, nicht zackigen, Schmetterling mit schön aufgesetztem Dorn, den schönen, gleichmäßigen Augenringen und dem gestochen scharfen Ohrenansatz, sowie zum anderen die Rumpfzeichnung mit ihren schönen Ketten und den Seitenpunkten, die in ihrem Verlauf  harmonisch zueinander passen sollten.

Die Kopfzeichnung stellt für mich das A und O in der Scheckenzucht da. Sie kann ich am ehesten züchterisch beeinflussen und dann sage ich mir immer „ Der Kopf schaut einen an !“. Nichts ist doch unschöner wenn der Kopf mit Farbspritzern übersät oder der Ohrenansatz an den Ohrenwurzeln geflammt ist. Diese beiden Punkte sollten der Vergangenheit angehören, denn sie dienen weder dem Ausstellungserfolg und schon gar nicht dem Zuchteinsatz, da beides sich hartnäckig vererbt. Anders sieht es hier bei dem, sich in der Mitte der Stirnpartie am Ohrenansatz befindenden Ausläufer aus. Diesen weist jede Schecke naturbedingt auf und sollte dementsprechend nicht gestraft werden. Der Augenring ist schmal, geschlossen und gleichmäßig breit. Als ideal gilt als umlaufende Breite ein Maß von 10 mm. Sehr schmale Augenringe haben meistens im oberen Bereich eine kleine Augenringzacke, die nicht zu strafen ist, etwas gröbere Augenringe sind meistens sehr schön geschlossen. Ein Problem der Blau-weißen stellt eher der Dorn dar, oftmals sieht man Tiere mit sehr groben Dorn oder solche mit sehr abgestumpften Dorn. Hier sollte man darauf achten, das dieser nicht

immer flacher wird. Mit dem runden oder leicht ovalen Backenpunkten gibt es eigentlich wenige Probleme, sie sollten frei stehen und keinerlei Verbindung zu anderen Kopfzeichnungsmerkmalen besitzen. Beachtung sollte man eher der Unterkiefereinfassung schenken, die recht oft zu breit erscheint. Als Ideal gilt hier eine Bleistiftstärke breite Einfassung, einseitig fehlend gilt als leichter Fehler, beidseitig bedeutet den Ausschluss. Das größere Zeichnungsproblem stellt eher die Rumpfzeichnung. Nicht etwa der 20mm breite Aalstrich bereitet die Sorgen, eher die Ketten bzw. Seitenpunkte. Zu viele Englische- Schecken, egal welche Farbe, zeigen recht volle Seitenzeichnungen. Beginnend mit der Kette, die oft gehäuft in die vollen Seitenpunkte überläuft. Hier sollte tatsächlich das Bestreben nach einer punktierten, erbsengroßen Punktgröße, die frei voneinanderstehend, einen schönen Zeichnungsverlauf einer sogenannten Posthornform, sein. Wir persönlich, nehmen eher eine etwas schwächer gezeichnete Seitenzeichnung in Kauf, da diese meistens schöne freistehende Zeichnungspunkte besitzen. Zudem sind diese Tiere oftmals wertvoller für die Zucht, da die Rumpfzeichnung eher zum grober werden neigt. Als eine doppelreihig fein punktierte Kettenzeichnung, harmonisch überlaufend in freistehende Seitenpunkte die, die Lenden und Schenkel bedecken, anzusehen. Zudem sollten beide Seiten gleichmäßig gezeichnet sein.

Blaue Zeichnungsfarbe bereitet meistens keine Probleme

Die Mittelblau geforderte Zeichnungsfarbe bereitet gerade in den Problemzonen der Ohrenränder, Nackenkeil und Blumenoberseite weitaus weniger Sorgen, wie beispielsweise bei den Schwarz-weißen. Die meisten Tiere sind frei von weißen Stichhaaren und zeigen eine Kräftig glänzende blaue Zeichnungsfarbe. Zu dunkel werdende Tiere sind meistens Kreuzungsprodukte aus schwarzen und blauen Tieren. Die Grundfarbe ist rein weiß, wozu auch die Laufsohlen gehören. Die Augen sind blaugrau und die Krallen sind farblos. Farbige Krallen die hin und wieder auftreten bedeutenden Ausschluss.

Die Scheckenzucht geht neue Wege

Zweifellos ist das Englische Scheckenkaninchen  eine der reizvollsten Rassen und die am schwierigsten zu züchtende, denn bei keiner anderen Rasse sind die leichten und ebenso die schweren Fehler im Standard ausschließlich auf die Zeichnung ausgerichtet. Sehr schwer ist es doch eine ideale Zeichnung zu erlangen. Trotzdem gibt es einen großen Kreis von Idealisten die sich ihrer verschrieben haben, denn die Zucht sollte als Krönung der Rassekaninchenzucht angesehen werden, enthält sie doch übers Jahr recht viele Spannungen. Jeder muss selbst seine Erfahrungen sammeln und kann sich nicht in ein Schema drängen lassen. Dieses fängt bei der Zusammenstellung der Zuchtpartner an und hört beim herrichten für die Ausstellungen auf. Als Lohn für diese mühevolle Arbeit sehen wir die Bewunderung von Laien und Kenner an, denn unsere Englische Schecken bieten auf allen Schauen einen großen Anziehungspunkt. Seit neusten geht die Scheckenzucht allerdings neue Wege, ein neu verfasstes Tierschutzgesetz (§ 11b) gibt uns vor, um homozygote Weißschecken (Chaplins) zu vermeiden, nur noch die Verpaarungen von heterozygoten Typenschecken und einfarbig pigmentierten Tieren vorzunehmen. Nun wird uns die Zukunft zeigen wohin die Zucht der Scheckenkaninchen führen wird, auch hier muss jeder einzelne Züchter seine Erfahrungen sammeln. Bekannt ist, dass nicht jedes einfarbige Tier für die Zucht verwendet werden kann, denn neben einer einwandfreien Form und einem schönen Fell, sollten solche Tiere gute genetische Veranlagungen der Zeichnungen haben, denn diese Tiere tragen diese der Elterntiere fort. Ich kann von keinem einfarbigen Tier, das aus grob gezeichneten Vorfahren stammt, verlangen schöne Zeichnungen zu vererben. Es gehört schon eine gründliche, gewissenhafte Vorauslese dazu. Gerade deshalb sind wir Züchter gefordert, die großen Wurfleistungen, die ihnen eigen sind, weiterhin zu fördern und zu erhalten. Denn durch eine reiche Jungtieranzahl wird es immer möglich sein, Tiere auszulesen die zur Schau gestellt werden können.

Wir persönlich züchten meistens mit fünf bis sechs Rammlern und ca. 10 Häsinnen in beiden Farbenschlägen. Sicherlich kommt es bei einem Einsatz von mehreren Häsinnen zu einer noch größeren Auswahl, jedoch ist es auch möglich bei einem gut durch gezüchteten Stamm aus einen kleineren Zuchtstamm reichlich brauchbare Ausstellungstiere zu züchten. Wichtig ist, nicht nur auf Schönheit achten, denn Milch, Aufzucht- und Wurfleistung spielen in der Scheckenzucht eine entschiedene Rolle. Wie bereits angesprochen, achten wir sehr auf die Form und das Fell unserer Tiere, beide Positionen sind Garant für Erfolge in aller Hinsicht. Bei der Zeichnung muss die Kopfzeichnung “stehen“, übertriebenes Schaufertigmachen kann nicht unser Ziel sein. In der Rumpfzeichnung sind schon eher Kompromisse zugelassen, sie züchterisch vollkommen zu beeinflussen, ist sehr schwierig. Wir bevorzugen eher eine etwas leichtere Zeichnung, wie die einer zu groben und zu vollen. In punkto Punktgröße sollte sich jeder Scheckenzüchter sein eigenes Bild machen, der eine bevorzugt die feine Zeichnung und nimmt dabei etwas durchsetzte Farbe in Kauf und der andere gibt den mit satter Farbe den Vorzug.

Die Haltung  

 

0,1 Englische Schecke, blau-weiß, mehrfach mit 96 und 96,5 Punkten bewertet (Zgm. Marquardt)

Englische Scheckenkaninchen in ihren Wesen mit anderen Rassen zu vergleichen, ist sehr schwierig, keine andere Rasse ist so lebhaft und Züchter bezogen wie sie. An Besucher in der Stallanlage wird sie sich nur langsam gewöhnen. Schon deshalb ist ein ständiges Training und ein gewöhnen an den Richtertisch unerlässlich. Ansonsten sind sie sehr problemlos, es handelt sich um sehr saubere Tiere, die als gute Futterverwerter bekannt sind, schon deshalb ist bei der Fütterung äußerste Vorsicht geboten. Problemlos ziehen sie ihre Würfe groß, nehmen dabei auch Wurfkästen liebend gerne an und man kann sich jeden Tag aufs neue an den kleinen possierlichen Jungen erfreuen. Selbstverständlich ist die Scheckenzucht nicht einfach. Aber anhand von alten Fotos kann man feststellen, dass sich in Jahrzehnten die schönen Merkmale sehr gefestigt haben. Immer wieder werden uns auf Schauen hochfeine Rassevertreter präsentiert. Diese ist sicherlich nur durch eine ständige Selektion zu erreichen, auch wenn der Weg zum Erfolg manchmal lang und mühsam erscheint. Dennoch kann es sich, auch hinsichtlich von Erfolgen, lohnen. Auch wir können in unserer relativ kurzen Zeit auf viele Vereins-, Kreis- und Landesmeistertitel verweisen. Besonders Stolz sind wir natürlich auf den erst kürzlich in Bremen errungenen Titel des Deutschen Meisters und auf das Klassensiegerband für einen 97 Pkt. Rammler. Mein Wunsch wäre es, wenn sich die blau- weißen Englischen Schecken wieder in der Quantität an den anderen Farben messen könnten.

Zum Schluss möchte ich noch eine Anmerkung zur Bewertung von Scheckenkaninchen geben. Oft sind bei dieser Unstimmigkeiten festzustellen. Es heißt nicht, dass über Fehler hinweggesehen werden solle, doch sollte bei leichten Fehlern ein maßvoller Punktabzug angestrebt werden. Den Züchtern der Englischen Schecken wünsche ich bei ihrer spannenden, reizvollen Zuchtarbeit für die Zukunft

alles Gute.

Stefan Marquardt